Ein großer Schachkünstler ist von uns gegangen…

Hans-Jürgen Meißner (27.11.1953-10.06.2024)

Die Beerdigung findet statt am 14.08.2024 um 09:00 Uhr auf dem St. Hedwig-Friedhof Weißensee, Smetanastraße 36, 13088 Berlin.

Nachruf

Mit großer Betroffenheit haben wir erfahren, dass unser Schachfreund Hans-Jürgen Meißner nach langer schwerer Krankheit im Alter von 70 Jahren am Montag, dem 10.06.2024 verstorben ist.
Am 28.11.2023 feierten wir im Kreise einiger seiner engsten Freunde noch seinen siebzigsten Geburtstag und machten ihm damit eine große Freude.
Hansi und sein Freund Hartmut Höckendorf traten im Alter von 14 Jahren in den damaligen Schachklub Lok Pankow (Vorläufer des SV Empor Berlin) ein und verfügten schon zu diesem Zeitpunkt über eine beachtliche Spielstärke. Nach seinem Armeedienst erreichte er bald Meisterstärke und wurde 1973 Berliner Meister vor vielen namhaften Spielern wie Thormann und Brameyer. Ein Höhepunkt in seiner Schachlaufbahn war die Teilnahme an der Endrunde der DDR-Meisterschaft 1975, in der er 8,5 Punkte aus 19 Partien erzielte. Weitere herausragende Ergebnisse waren die 16,5 Punkte am 1. Brett in der damals zweigeteilten DDR-Oberliga (2.Liga). Später spielte er für Empor Berlin in der höchsten Spielklasse, wurde mit dem Team DDR-Mannschaftsmeister und gewann dabei u.a. gegen GM Lothar Vogt. Nach der „Wende“ spielte er viele Jahre erfolgreich für den SV Empor Berlin, zeitweise auch in der 1. und 2.Bundesliga. Insbesondere sein Sieg gegen Jan Gustafsson bleibt uns in Erinnerung.

Hansi war ein gutmütiger, sehr hilfsbereiter Zeitgenosse, im Berliner Schachleben fest verwurzelt – seine mitunter etwas ’schrägen‘ Ideen und Ansichten haben wir mit Humor zur Kenntnis genommen.

Wir werden ihn sehr vermissen.

SV Empor Berlin, Abteilung Schach
Joachim Schwarz

» Kommentare von Martina Skogvall, Christian Syré, Roland Exner…
» Glanzpartien von Hans-Jürgen (Hansi) Meißner 
Fotostrecke: 40 Jahre Schach mit Hans-Jürgen (Hansi) Meißner

5 thoughts on “Ein großer Schachkünstler ist von uns gegangen…

  1. Julian Urban

    „Augenpflege“

    Ich weiß gar nicht mehr, wie ich Hansi kennengelernt habe, aber an die letzten Jahre kann
    ich mich auf jeden Fall erinnern. Als erstes fällt mir sein 100%- Einsatz für den Verein ein. Er war eigentlich immer da, egal, ob es bei einer Männer-, Frauen oder Jugendmannschaft war. Er war da beim Aufbauen, beim Abbauen, als Trainer, Kiebitz oder Spieler, total und zu 100% von Anfang bis zum Ende. Dann die unendlich vielen Eröffnungszettel, handgeschrieben und immer mit Enginestufe Human in stundenlanger Arbeit angefertigt, verfügbar gemacht für jeden, der um schachliche Hilfe gebeten hat, auch für eine Reihe von Jugendspielern, die es heute gar nicht mehr gibt. Wenn man Glück hatte, konnte man eine Partie nur mit einem Hansi-Zettel gewinnen. Hansi vertrat seine Positionen, auch die außerschachlichen, immer sehr energisch, was manchmal zu Unstimmigkeiten führte, aber wo gibt es das nicht. Tatsache ist, dass er immer hilfsbereit alles gegeben hat, was gesundheitlich und finanziell möglich war. So hat er es sich nicht nehmen lassen, trotz seiner bescheidenen finanziellen Mittel kostspielige Pralinen und Blumen für die Frauen im Haus zu kaufen, als er Weihnachten bei uns war.
    Hansi hatte teilweise auch prophetische Fähigkeiten, nach seiner letzten Turnierpartie zeigte er sich ganz begeistert von dem Schach seiner jungen Gegnerin: „Die wird was“. Vor dem letzten Spiel gegen Kreuzberg wollte er unbedingt unsere Jugendspieler an den hinteren Brettern bringen, er war der Meinung, dass nur Jung gegen Jung funktionieren könnte, da sollte er auch Recht behalten, in Anbetracht eines faktischen 0-4. Soweit.
    Die letzten zwei Jahre konnte er kaum noch gehen und war in seiner Wohnung gefesselt, da wurde er ein wenig alleingelassen, außer mit dem technischen Leiter, wo die politische Lage erörtert wurde und meiner Wenigkeit gab es kaum regelmäßigen Kontakt. Auch im Krankenhaus gab es keinen Besuch, da hätte er sich mehr Ansprache gewünscht. Das Ende kam dann nicht unerwartet, aber ob seiner Plötzlichkeit doch überraschend.

    Hansi mein Freund, ich werde Dich immer als geraden, hilfsbereiten Menschen, der vor nichts Angst hatte und der zuhören konnte, in Erinnerung behalten. Ruhe in Frieden!

    Julian Urban

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  2. Christian Syré

    Hans-Jürgen (Hansi) Meissner kannte ich seit Anfang der 70er Jahre.
    Geb.1953, hatte Hansi ab Mitte der 70er Jahre Meisterstärke. Bei der DDR-Meisterschaft 1975 in Stralsund mit GM Uhlmann, Knaak, Vogt etc. wurde er überraschend 11.-13. mit 8,5/19 Punkten bei 20 Teilnehmern.
    https://de.wikipedia.org/wiki/DDR-Einzelmeisterschaft_im_Schach_1975#Abschlusstabelle

    Durch sein Eröffnungswissen war er später auch ein gefragter Trainer bei stärkeren Spielern.
    Von ihm habe ich die Erkenntnis, dass man sich nicht nur mit Eröffnungen beschäftigen soll. Man muss auch die wichtigen Partien von den Topspielern in diesen Varianten kennen.
    Meine ersten beiden Partien gegen ihn verlor ich. Aus den weiteren 3 Partien holte ich 2 Punkte.
    Ich hätte ihm von Herzen den FM-Titel gewünscht. Vielleicht wollte er ihn nicht beantragen?
    Bei chessbase wird Hansi mit einem Bestwert von 2395 geführt.

    Hansi wurde Berliner Senioren-Meister 2014.
    https://www.schachbund.de/turnier/B406-300-SEM/Ergebnisse.html

    Die Jugend sollte von ihm lernen, dass Nikotin und Alkohol die Spielstärke und die Gesundheit auf Dauer reduzieren. Und dass Ausgleichssport unverzichtbar ist, um in Beruf und Sport leistungsfähig zu bleiben.

    https://players.chessbase.com/de/player/meissner_hans%20juergen/167437 .
    Hansi wird in dieser Grafik mit einem Bestwert von 2395 in den Jahren 1978 bis 1979 geführt – unglaublich!

    https://ratings.fide.com/profile/4611969/chart
    Bei der FIDE-Rating der letzten 20 Jahre könnte der Eindruck entstehen, daß Hans Elo-Bestwert 2286 war im Jahre 2017, also mit 64 Jahren.

    (Leider kann ich hier nicht die Grafiken darstellen.)

    Hansi war ein Urgestein der Berliner Schachszene seit über 50 Jahren. Ich werde ihn immer in Erinnerung behalten als starken und symphatischen Schachspieler.

    Vielleicht könnte man bei Empor Berlin ihm zu Ehren ein Turnier zu veranstalten.

    FM Christian Syré

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  3. Martina Skogvall

    Vielen Dank für den Nachruf, die schönen Fotos und die Partien. Ich habe Hansi in Großlehna kennengelernt, er spielte wie ich eine Weile für den dortigen Verein. Als wir in die 2. Frauen-Bundesliga aufgestiegen waren 2002, hat er uns oft zu Wettkämpfen begleitet. Dann war er immer „frisch gebügelt“, nüchtern und wach und fieberte mit uns mit. Hansi hatte u.a. ein riesiges Eröffnungswissen und hat sich viel Zeit genommen, Partien zu analysieren. Ich erinnere mich an eine Partie mit Schwarz, wo seine Vorbereitung ein glatter Volltreffer war. Ich stand auf Gewinn, hab’s dann aber versaut und war traurig, ihn zu enttäuschen. Einmal bin ich zusammen mit Hansi in seinem Auto nach Berlin zurückgefahren. Wir hatten ein gutes Gespräch, auch über Dinge, die mit Schach nichts zu tun hatten. Ich mochte seine ruhige Art und seine tiefe Schachbegeisterung. Hansi hat mich auch mit Werner Reichenbach bekannt gemacht, dessen Schülerin ich einige Zeit lang war. Wenn nicht das Thema Alkohol immer im Raum gestanden hätte… Irgendwann spielte die Gesundheit nicht mehr mit, kein Wunder, aber traurig. Nun ist Hansi nicht mehr da und eine große Lücke klafft. Ruhe in Frieden, Hansi.

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  4. Roland Exner

    Mein Schachtrainer Hansi!

    Kennengelernt habe ich ihn auf einem Turnier in Lichtenrade im Herbst 2005. Er analysierte meine Partie mit mir. Im Anschluss gingen wird dann einen langen Weg vom Turnierort zur Endhaltestelle der U6 im Süden von Berlin. Hansi ging gern spazieren. Unkompliziert war auch das Weitere, beispielsweise: „Gibste ein Mittagessen aus?“ Unzweifelhaft der Beginn einer Schachfreundschaft. Hansi nahm mich nach dem Mittagessen als Schachschüler auf. Tatsächlich verbesserte das regelmäßige Training meine Spielstärke. Ein Höhepunkt war das Qualifikationsturnier 2006 in Lichtenrade. Gegen Jan Kinder und André Jäger legte ich Dank Hansis Vorbereitung gute Gewinnpartien hin. Während dieses Turniers erspielte ich mir die A Qualifikation für ein weiteres Turnier in Berlin. Leider war kurze Zeit später aus beruflichen Gründen keine Zeit mehr, bei Hansi regelmäßig Schachunterricht zu nehmen. Aber wir blieben im Kontakt. Ohne seine inten-sive Unterstützung wäre ich nicht so soweit gekommen.

    Am 10.06.2024 zur Mittagszeit erhielt ich dann die traurige Nachricht, dass Hansi verstorben ist.

    Roland Exner

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